VIRTUELLER RUNDGANG
IGS Einbeck

Grenzen überwinden – Freundschaften fördern: Deutsch-Polnische Jugendbegegnung zwischen der IGS Einbeck und der Szkoła Podstawowa im. Jana Pawła II in Twardogóra - Bildungsgerechtigkeit durch Förderung von DPJW und Sanddorf-Stiftung


Einbeck, Juni 2025 – Internationale Begegnungen prägen, verbinden und hinterlassen Spuren: Vom 25. bis zum 31. Mai 2025 fand der zweite Teil der deutsch-polnischen Jugendbegegnung zwischen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Einbeck und der polnischen Partnerschule Szkoła Podstawowa im. Jana Pawła II aus Twardogóra in Einbeck statt. Bereits im Herbst 2024 hatten sich beide Schulen zu einer ersten gemeinsamen Begegnung in Polen getroffen. Nun folgte das Wiedersehen in Deutschland – ein Herzensanliegen der sieben beteiligten Lehrerinnen und Lehrer, die dieses Begegnungsprojekt gemeinsam in zwei Teilen über Ländergrenzen hinweg geplant und umgesetzt hatten.

Insgesamt nahmen 44 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren teil – je 22 aus Deutschland und Polen. Die gemeinsame Woche in Einbeck stand unter dem thematischen Leitmotiv „Wasser“ und kombinierte naturwissenschaftliche, kulturelle und historische Perspektiven mit interkulturellem Austausch und gelebter europäischer Verständigung. Die Jugendlichen lernten dabei nicht nur Einbeck und die Region Südniedersachsen bis in den Harz hinein kennen, sondern auch die Bedeutung von Wasser für Umwelt, Gesellschaft, Geschichte und Handwerk.

 

Wasser als verbindendes Element

Wasser – ein zentrales Element des Lebens – begleitete die Jugendlichen durch die gesamte Woche. In gemeinsamen Workshops, Exkursionen und Projektarbeiten wurde das Thema facettenreich beleuchtet. Die Teilnehmer*innen untersuchten Wasserproben, erkundeten hydrologische Phänomene und diskutierten gemeinsam die gesellschaftliche Relevanz und die ökologische Dimension des Elements.

Ein Ausflug in die Rübeländer Tropfsteinhöhlen eröffnete den Jugendlichen faszinierende Einblicke in geologische Prozesse: Der jahrtausendelange Einfluss von Wasser formte dort kunstvolle Tropfsteine – und so lautete die berechtigte Schülerfrage: „Ist das alles echt?“ Ja, es ist echt – und eindrucksvoll. Ebenso real war der Besuch des Wasserwerks in Wienrode, das seit den 1950er Jahren Millionen Menschen zuverlässig mit Trinkwasser versorgt.

Mit offenen Augen betrachteten die Jugendlichen auch die Schäden, die ein Mangel an Wasser verursachen kann. Bei der Betrachtung der toten Wälder des Harzes wurden die dramatischen Auswirkungen von Trockenheit und Klimawandel deutlich sichtbar. Ein weiteres Naturerlebnis bot ein See, der im Sonnenlicht in leuchtendem Blau erstrahlte – ein Sinnbild für die Schönheit, aber auch die Verletzlichkeit der natürlichen Ressourcen.

 

Geschichte erleben – gemeinsam reflektieren

Die Begegnung hatte nicht nur ökologische, sondern auch gesellschaftlich und historisch relevante Aspekte. Ein bewegender Höhepunkt war ein Workshop zum Film „Die Kinder von Windermere“, der die Geschichte jüdischer Kinder nach dem Holocaust erzählt, die im britischen Exil Zuflucht fanden. Im Anschluss an den Workshop hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, mit der Tochter eines der „Windermere-Kinder“ per Videoanruf zu sprechen. Diese Begegnung war nicht nur emotional tiefgehend, sondern auch historisch eindrucksvoll – und vermittelte persönliche Perspektiven auf Flucht, Verlust und Neuanfang.

 

Einbeck entdecken – mit Handwerk und Geschichte

In Einbeck selbst widmete sich die Gruppe der Stadtgeschichte, insbesondere dem traditionsreichen Blaudruck und dem Handwerk des Bierbrauens – beides Handwerkskünste, bei denen Wasser eine zentrale Rolle spielt. Unterstützt wurde die Gruppe vom Stadtmuseum Einbeck und der engagierten Museumsleiterin und Museumspädagogin Imke Weichert. Durch Führungen und Mitmachaktionen erhielten die Jugendlichen direkte Einblicke in die handwerklichen Prozesse und verstanden zugleich, wie sehr Kultur und Natur miteinander verwoben sind. Ebenso wurde die Verbindung Einbecks zur polnischen Stadt Paczkow erkundet, aus der nach der Vertreibung 1945 1200 Menschen in Einbeck eine neue Heimat fanden.

 

Begegnung ermöglichen – Brücken bauen

Dass diese Jugendbegegnung möglich wurde, ist dem Engagement zahlreicher Menschen und Institutionen zu verdanken. Neben den Lehrkräften beider Schulen waren viele Akteur*innen beteiligt, die das Projekt mit Herzblut unterstützten: Das Neu-Deli Kino in Einbeck, Herr Dietmar Sedlarczek, ehemaliger Leiter der Gedenkstätte in Moringen, Imke Weichert und das Stadtmuseum Einbeck. Ebenso wurde das Projekt durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) sowie die Sanddorf-Stiftung finanziell gefördert.

Besonders beeindruckend war die politische Wertschätzung: Beim offiziellen Empfang der Jugendgruppe in Einbeck begrüßten hochrangige Vertreterinnen aus Politik und Diplomatie die Jugendlichen persönlich. Die Bürgermeisterin, die Landrätin des Landkreises Northeim, eine Vertreterin des polnischen Konsulats aus Hamburg sowie die Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises würdigten das Projekt als bedeutsamen Beitrag zur Völkerverständigung und Friedenserziehung in Europa.

 

Freundschaften, die bleiben

Neben den inhaltlichen Höhepunkten war es vor allem das persönliche Wiedersehen, das diese Jugendbegegnung so besonders machte. Die Lehrkräfte beider Schulen hatten von Beginn an großen Wert darauf gelegt, dass es nicht bei einem einmaligen Kontakt bleibt. Der Wunsch war, echte Beziehungen zwischen jungen Menschen zu fördern – und das ist gelungen. Bereits im Herbst 2024 hatten sich viele der Jugendlichen kennengelernt, in Einbeck traf man sich nun als Freunde wieder.

Dass in dieser Woche tiefe Verbindungen entstanden sind, zeigten nicht zuletzt die emotionalen Abschiedsszenen am 31. Mai: Tränen, Umarmungen und das Versprechen, in Kontakt zu bleiben, waren der schönste Beweis für den Erfolg dieser internationalen Jugendbegegnung.

 

Ein Zeichen gegen digitale Spaltung und für gelebte Demokratie

Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung und digitaler Radikalisierung ist es wichtiger denn je, jungen Menschen reale Begegnungen zu ermöglichen. Die Teamleiter*innen – drei Lehrkräfte aus Einbeck und vier aus Twardogóra – betonen, wie dringend notwendig solche Formate sind: In einer Welt, in der Hass, Hetze und Falschinformationen online ungehindert zirkulieren und ins analoge Miteinander einzudringen drohen, schaffen persönliche Begegnungen Verständnis, Respekt und friedliche Beziehungen. Sie fördern Empathie und stärken das Gefühl für ein gemeinsames Europa.

Die Organisator*innen hoffen, dass diese Begegnung nachhaltige Wirkung entfaltet – im Leben der Jugendlichen, in ihren Einstellungen und in ihrem zukünftigen Handeln. Vielleicht werden manche der entstandenen Freundschaften zu langjährigen Verbindungen, vielleicht entstehen neue Austauschformate, vielleicht engagieren sich einige Jugendliche künftig selbst in internationalen Projekten. Sicher ist: Wer einander kennt, begegnet sich mit offenem Herzen – und das ist der erste Schritt zu einem friedlichen Europa. Die Organisator*innen halten an diesem Ziel weiter fest und planen nun schon den vierten Jahrgang, der im kommenden Oktober 2025 nach Twardogóra reisen wird. Im April 2026 werden die polnischen Jugendlichen dann uns in Einbeck besuchen. Auch hierfür stecken wir schon voll in der Planung.

 

Bildungsgerechtigkeit

Durch die Förderung des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes und der Sanddorf-Stiftung konnte das Projekt für Schülerinnen und Schüler zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden. Uns freut, dass wir durch diese Förderung noch mehr Schülerinnen und Schülern eine Auslandserfahrung möglich machen können.

Integrierte Gesamtschule Einbeck

Hubeweg 39
37574 Einbeck

Tel.: 055 61 – 3 13 93 30
Fax: 055 61 – 9 27 20 5

E-Mail: sekretariat@igs-einbeck.eu
Internet: www.igs-einbeck.de

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