Ein ganzes Schuljahr lang wurde geplant, diskutiert, geschrieben, gebaut, gesägt und geprobt. Am Ende standen ein voll besetzter Theatersaal, gespannte Zuschauerinnen und Zuschauer sowie lang anhaltender Applaus. Mit ihrem selbst entwickelten Theaterstück „Ruf der Tiefe“ begeisterten die Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs der IGS Einbeck am 11. Juni das Publikum im Wilhelm-Bendow-Theater.
Das Besondere an dem Projekt: Die Jugendlichen standen nicht nur auf der Bühne, sondern übernahmen nahezu alle Aufgaben selbst. Sie entwickelten die Geschichte, schrieben die Texte, entwarfen Kostüme, bauten Kulissen, planten die Technik und gestalteten die musikalischen Beiträge. Unterstützt wurden sie dabei von ihren Lehrkräften, die die einzelnen Arbeitsgruppen begleiteten und beratend zur Seite standen.
Begonnen hatte die Reise bereits im August 2025. Im Rahmen des TheaterAteliers wurden die Fächer Kunst und Musik als gemeinsamer Projektunterricht organisiert. Die einzige Vorgabe lautete: Das Theaterstück sollte zum Oberthema Wasser passen. Alles andere lag in den Händen der Schülerinnen und Schüler.
„Am Anfang hatten wir überhaupt keine Ahnung, wie wir ein ganzes Theaterstück auf die Beine stellen sollen“, erinnert sich eine Schülerin des 9. Jahrgangs. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass jede Gruppe ihren Teil beiträgt und daraus nach und nach wirklich etwas Großes entsteht.“
Bevor die eigentliche Arbeit begann, erhielten die Jugendlichen durch Workshops und Exkursionen Einblicke in die Theaterwelt. Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Deutschen Theaters Göttingen. Dort konnten sie hinter die Kulissen blicken, technische Anlagen besichtigen und erleben, wie viele Menschen an einer professionellen Produktion beteiligt sind.
Anschließend teilte sich der Jahrgang entsprechend persönlicher Interessen und Neigungen in verschiedene Arbeitsgruppen auf. Die Schauspielgruppe wurde von Frau Stamm begleitet. Gemeinsam entwickelten die Schülerinnen und Schüler Figuren, Szenen und Dialoge und brachten die Geschichte schließlich auf die Bühne. Die Arbeitsgruppe Bühnenbild arbeitete unter der Leitung von Herrn Bautzmann und Herrn Geppert. Hier entstanden Kulissen und Requisiten, die die Welt des Stücks sichtbar machten. Für Kostüme, Maske und zahlreiche kreative Details war Frau Hebel zuständig. Sie unterstützte die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre gestalterischen Ideen umzusetzen. Die technische Umsetzung mit Licht und Ton wurde von Frau Lücking begleitet. Auch hier arbeiteten die Jugendlichen eigenständig und sorgten für die stimmungsvolle Inszenierung.
Von da an wurde jeden Donnerstag gearbeitet: Es wurde gehämmert, gesägt, gemalt, geschrieben, musiziert und geprobt. Viele Schülerinnen und Schüler investierten darüber hinaus Zeit außerhalb des Unterrichts, um ihre Ideen umzusetzen.
Entstanden ist eine spannende Abenteuergeschichte, in der zwei Schwestern die Geschichte zweier Piratencrews erzählen. Beide Mannschaften sind auf der Suche nach einem besonderen Schatz. Auf ihrer Reise begegnen sie Herausforderungen und Konflikten sowie einem Ort, der ihre Sicht auf die Welt nachhaltig verändert. Dabei behandelt „Ruf der Tiefe“ Themen wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und den verantwortungsvollen Umgang mit den Schätzen unserer Erde.
Neben dem Schauspiel sorgten zahlreiche musikalische Beiträge für besondere Momente. So präsentierte der gesamte Jahrgang eine Body-Percussion-Version des Seemannslieds „Wellerman“. Für Begeisterung sorgte außerdem eine kreative Rhythmusnummer mit Pömpeln. Einen besonders emotionalen Augenblick schuf ein Schüler mit einem arabischen Lied, das von einem Cello begleitet wurde.
„Ich war vor der Aufführung unglaublich nervös“, berichtet ein Schüler des 9. Jahrgangs. „Aber als der Vorhang aufging und wir das Publikum gesehen haben, war das ein richtig tolles Gefühl. Da wusste ich, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.“
Vor voll besetzten Reihen überzeugten die Jugendlichen mit Spielfreude, Witz und großem Engagement. Besonders die kleinen ungeplanten Momente, die jede Live-Aufführung mit sich bringt, sorgten immer wieder für herzhaftes Lachen und verliehen dem Abend eine besondere Authentizität.
Auch für die Lehrkräfte war die Aufführung der Höhepunkt eines außergewöhnlichen Schuljahres. „Die Schülerinnen und Schüler haben gezeigt, was möglich ist, wenn man ihnen Verantwortung überträgt und Raum für eigene Ideen gibt“, fasst Frau Lücking das TheaterAtelier zusammen.
Mit lang anhaltendem Applaus endete schließlich ein Projekt, das weit mehr war als eine Theateraufführung. Es war ein gemeinsames Abenteuer, bei dem die Jugendlichen Kreativität, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellten.
Das TheaterAtelier der IGS Einbeck wird auch im kommenden Schuljahr fortgeführt. Dann übernimmt der Blaue Jahrgang das Ruder und begibt sich auf seine eigene Reise in bislang unbekannte Gewässer.













