08.09.2014 20:14 Alter: 7 yrs

HNA vom 8.09.2014: Die neue IGS startet mit 109 Schülern

Zwei Schulen in einem Gebäude - zwei kommissarische Leiter


EINBECK. Schon ab heute könnten die ersten Schüler die neue Integrierte Gesamtschule (IGS) in Einbeck besuchen -wenn nicht noch ein paar Tage Sommerferien wären und auch die Handwerker einige letzte Arbeiten zu erledigen hätten.
Die seit Februar laufenden pädagogischen Vorarbeiten jedenfalls sind abgeschlossen. Bis auf wenige Kleinigkeiten steht das Start-Konzept für die dritte Gesamtschule im Landkreis Northeim. „Wir freuen uns jetzt auf die Kinder, sind neugierig auf deren Fragen", sagen Sandra Meusel und Sascha Mroß, die gemeinsam die neue IGS kommissarisch leiten. Am 12. September steht nicht nur eine Einschulung von 109 Mädchen und Jungen in vier fünften Klassen, sondern gleichzeitig die Schuleinweihung mit Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Landrat Michael Wickmann auf dem Programm. Im Schulzentrum am Hube-weg in Einbeck ist weiterhin die Wilhelm-Bendow-Hauptschule mit 150 Schülern zuhause - im selben Gebäude. Meusel und Mroß sind gespannt auf den Schulalltag. Für die IGS sind zwar vier Klassenräume, zwei Gruppenräume und ein Lehrerzimmer umgebaut worden, den Schulhof und die Fachräume nutzen beide Schulen gemeinsam, auch ein gemeinsames Sekretariat gibt es. Während die Wilhelm-Bendow-Schule ausläuft, baut die IGS jedes Schuljahr einen neuen Jahrgang auf. Beide Schulen begreifen sich als Partner: Für die Gesamtschüler soll es ab Herbst wie bei den Hauptschülern ein Frühstücksangebot geben. Die Mensa für das Mittagessen an der neuen IGS wird laut Landkreis erst zum Schuljahr 2015/16 fertig sein. Aus pädagogischen Gründen wollen Lehrer und Eltern bis dahin nicht auf ein gemeinsames Mittagessen verzichten. Deshalb entsteht in einem doppelten Klassenraum für ein Jahr ein Provisorium. Dort können die Schüler ab 15. September aus verschiedenen Gerichten auswählen.

EINBECK. An welchem Nachmittag findet die Gitarren-AG statt? Wie soll in Zusammenarbeit mit dem Einbecker Sportverein die Arbeitgemeinschaft für Ballspiele organisiert werden? Das achtköpfige Kollegium der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Einbeck bespricht wenige Tage vor dem Start der neuen Schule noch letzte Einzelheiten. Der Hauptteil der Vorbereitung aber ist getan. Seit Februar hat sich das Planungsteam der neuen IGS mindestens einmal wöchentlich getroffen, hat die pädagogischen Leitplanken entwickelt, zwischen denen sich die neue Gesamtschule entwickeln kann.

Zwei Leiter

Jetzt kann's losgehen, können die 109 angemeldeten Schüler der fünften Klasse kommen. Mit  diesem Jahrgang startet die IGS Einbeck. Sandra Meusel und Sascha Mroß leiten gemeinsam die Schule. „Die ersten Wochen werden aufregend", ahnen beide. Denn bei aller Planung und Vorbereitung: Schulalltag mit Kindern sozusagen im Live-Betrieb haben die Grund und Hauptschullehrerin und der Gymnasiallehrer in ihrem neuen Schulgebäude noch nicht erlebt. Mroß hat zuvor an der Oberschule in Uslar unterrichtet, Meusel zuletzt die KGS in Gieboldehausen mit aufgebaut. Eine neue Schule gestalten zu können, sehen sie als große pädagogische Chance. Wie alle Kollegen im Planungsteam haben beide seit Jahresbeginn deshalb eine freiwillige Doppelbelastung auf sich genommen - neben ihren Unterrichtsverpflichtungen an ihren bisherigen  Schulen.

„Das hat schon Abenteuercharakter", sagt der 42-Jährige. Mit viel Humor in einem produktiven Planungsteam sei man aber zu guten Ergebnissen gekommen. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis als Schulträger, mit Architekten und Handwerkern sei gut, konzeptionell notwendige Umbauten seien problemlos möglich gewesen. Von den Eltern spüre man zwar eine Erwartungshaltung, berichtet Sandra Meusel. Gleichzeitig jedoch auch Rückhalt, weil die Eltern mit der Schulform Gesamtschule einen positiven Ansatz verbinden, sagt die 43-jährige.

 „Das Konzept IGS bietet viele Chancen für die Schüler", sagt Sascha Mroß. In den ersten Wochen an der neuen Gesamtschule sollen die Schüler die Wochenstruktur kennenlernen, das Arbeiten in Lerngruppen mit Tutorenstunden und Klassenrat. Der Ganztagsbetrieb mit zwei verpflichtenden und zwei freiwilligen Nachmittagen soll von der Abwechslung von Kopf- und Handarbeit geprägt sein, berichten die kommissarischen Schulleiter. Für Mitte Oktober ist die erste Klassenfahrt aller fünften Klassen nach Höxter geplant. Auch diese Aktion dient dazu, sich untereinander besser kennenzulernen und die gewünschte Teamarbeit vielfältig ausprobieren zu können.

Lebensort

Die IGS begreift die Schule nicht nur als Lernort, sondern auch als Lebensort. So ist das gemeinsame Essen am Mittag sehr wichtig, selbst wenn die Mensa zunächst nur eine Übergangslösung ist. „Das ist nicht eine reine Nahrungsaufnahme", macht Sascha Mroß deutlich. Das Mittagessen biete vielmehr die Gelegenheit, das Zugehörigkeitsgefühl und den Zusammenhalt zu stärken, elementare Tischsitten zu vermitteln.  „Außerdem sind auch Gespräche mit den Lehrern möglich", sagt Sandra Meusel, „und zwar in einer anderen Atmosphäre als im Unterricht." (zfb)

HINTERGRUND
Umbau kostet 1,49 Millionen

Der Landkreis Northeim als Schulträger investiert rund 640 000 Euro in den Umbau von bisherigen Klassenzimmern zu Räumen, die dem Unterrichtskonzept der neuen Integrierten Gesamtschule (IGS) genügen. Weitere 110 000 Euro fließen in den Bau einer Rampe und eines Aufzugs, um die Schule barrierefrei zu machen. Fürden Anbau einer Mensa sind weitere 740 000 Euro veranschlagt.
Nach Angaben von Kreis-Pressesprecher Dirk Niemeyer soll die Mensa erst in den Sommerferien 2015 fertig werden und zum Schuljahresbeginn 2015/16 zur Verfügung stehen. Bis dahin wird das Essen in einem Provisorium eingenommen, (zfb)