Die „Challenge der guten Hoffnung“


Der Jahrgang 9 der IGS Einbeck läuft bis Ostern 15.000 km zum Kap der guten Hoffnung

„Warst du heute schonmal draußen?“, fragt Theresa Lücking, Lehrerin an der IGS Einbeck, ihren Schüler. Es ist fünf Uhr am Nachmittag. Ein Schüler der 9. Klasse der IGS kam gerade nochmal in den digitalen Unterrichtsraum, um etwas zu einer Aufgabe zu fragen. „Nicht so richtig.“, antwortet der 14-Jährige.

Auch die Kolleginnen und Kollegen aus dem „Team Blau“, dem 9. Jahrgang der Integrierten Gesamtschule, machten diese Beobachtung. Viele Schüler:innen verließen das Haus wenig bis gar nicht mehr. „Wir achteten bisher in den Homeschoolingaufgaben für den Sportunterricht schon darauf, dass unsere Schüler:innen raus gehen und sich dort bewegen.“, berichtet Susann Hermsdorf, Fachleitung Sport. „Wir suchten trotzdem nach einer Möglichkeit, gerade in dieser Zeit des Alleinseins das Gefühl von Gemeinschaft aufleben zu lassen und die Motivation zu erhöhen, sich an der frischen Luft zu bewegen.“

Die acht Lehrkräfte kamen auf eine Idee: als Team läuft der Jahrgang 9 bis zum „Kap der guten Hoffnung“. Nicht jeder die ganze Strecke, sondern jeder ein Stück – jeden Tag. Jedes Jahrgangsmitglied, das sind Schüler:innen, Lehrer:innen und Schulbegleitungen, melden jeden Tag ihre gelaufenen Strecken an die Tutoren (Klassenlehrer:innen). Sie tragen die Kilometer in eine gemeinschaftliche Tabelle ein. Diese addiert die Kilometer und zeigt an, wieviel schon gelaufen wurde und wieviel noch zu laufen ist. So sollen gemeinsam die 15.079 Kilometer gemeistert werden. Das Messen ist einfach: Smartphones können kostenlos mit einer Schrittzähl-App ausgestattet werden. Wer kein Handy habe, bekomme einen Schrittzähler von den Lehrern:innen.

„Wir Lehrkräfte können dann auf dem Routenplaner nachsehen, wo wir uns gerade befinden und in unseren Unterricht bestimmte Inhalte integrieren.“, berichtet Hermsdorf. „So können wir in den Schulfächern die Länder einmal genauer in den Blick nehmen, die wir durchlaufen. Ideen haben wir dazu sofort bekommen.“

„Unsere Schüler:innen lieben es, als Jahrgang Aktivitäten zu unternehmen“, erklärt Jahrgangsleiterin Mareike Baak. „Wir finden es so schade, dass dies seit einem Jahr nicht mehr geht.“ Doch nun macht sich der Jahrgang auf den Weg. „Wie eine digitale Klassenfahrt“ stellt sich das Baak vor. „Es geht darum, wenigstens gedanklich den eigenen vier Wänden hin und wieder zu entfliehen, Neues zu entdecken.“

Wirklich, eine Herausforderung ist es: jedes Teammitglied muss bis Ostern im Schnitt 3,7 Kilometer täglich laufen. Läuft ein Teammitglied am Tag nicht, muss es an einem anderen Tag mehr laufen oder ein anderes Teammitglied „übernimmt“ die Kilometer und läuft mehr. Dabei wird bewusst auf den Wettbewerbscharakter verzichtet, denn der Teamgedanke und die Kooperation zählen.

Das Ziel wurde von dem Englischlehrer Florian Fechner vorgeschlagen. Im Englischunterricht wird gerade Südafrika behandelt. Die große Symbolkraft des Namens in Zeiten von Corona überzeugte die Lehrkräfte sofort. Regelmäßig soll über den Instagram-Account der Schule (igs_einbeck) von der „Reise“ berichtet werden. Ebenso werden „Reiseberichte“ auf der Homepage (www.igs-einbeck.de) der Schule geteilt.

 

von Theresa Lücking und Larissa Böning