Forschungsprojekt Gesellschaftslehre

„Gesellschaftslehre“ heißt das Fach, das an Gesamtschulen in Niedersachsen die herkömmlichen Fächer Geschichte, Politik und Erdkunde ersetzt. Diese Zusammenfassung hat zum Ziel, die drei Fächer inhaltlich produktiv aufeinander zu beziehen, Verbindungen zwischen ihnen herzustellen und den Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, ein bestimmtes Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Ein Beispiel stellt das aktuell relevante Thema „Flüchtlinge“ dar, das sich mit großem Gewinn nicht nur politisch, sondern auch geographisch und historisch betrachten lässt.

Soweit die Theorie. Wie sieht aber nun die Praxis des Fachs Gesellschaftslehre an Gesamtschulen aus? Dieser Frage widmet sich aktuell ein Forschungsprojekt, das am Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik der Universität Göttingen angesiedelt ist. Dort wird unter anderem untersucht, unter welchen Bedingungen das Fach Gesellschaftslehre an Gesamtschulen konkret unterrichtet wird, welche Konzepte hierfür an ausgewählten Schulen entwickelt werden und welche positiven und negativen Erfahrungen die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer dabei machen.

Die im Rahmen des Göttinger Forschungsprojekts an der IGS Einbeck befragten Kolleginnen und Kollegen der Fachkonferenz Gesellschaftslehre waren sich einig: Zum interdisziplinären Unterrichten gibt es in einer zunehmend komplexen Welt keine Alternative, wenn man gesellschaftliche Phänomene wirklich verstehen will. Kritisch wurde hervorgehoben, dass die Zusammenfassung der drei Fächer ein fachfremdes Unterrichten unumgänglich mache – hier könnte langfristig eine gemeinsame Didaktik der drei Fächer mit den entsprechenden Anpassungen in der Lehrerausbildung Abhilfe schaffen. Die positiven Reaktionen der Schülerinnen und Schüler auf fächerübergreifendes Unterrichten, so waren sich die Kolleginnen und Kollegen wiederum einig, seien jedoch Grund genug, auf diesem Weg weiterzugehen.